Flüge dezentral überwachen

MasterMAN ist ein innovatives Assistenzsystem für Fluglotsen. Es soll die dezentrale Fernüberwachung mehrerer Regionalflughäfen möglich machen.

Viele Regionalflughäfen besitzen trotz überschaubaren Flugaufkommens eine Flugverkehrskontrolle. Deren Fluglotsen sind bis auf einige Spitzenzeiten oft nicht ausgelastet. Das ist nicht nur teuer, auch Unterforderung kann in diesem System durchaus zum Problem werden. Die geringe Auslastung lässt die Aufmerksamkeit bei den Lotsen schwinden, in Extremfällen sind Lotsen auch schon eingenickt. Andererseits können Flugsicherungsorganisationen durch neuere Verordnungen auch im europäischen Ausland tätig werden und das böte die Chance, Regionalflughäfen aus der Distanz zu überwachen. Nötig dafür wäre aber ein Tool, das Regionalflughäfen vernetzt und die dezentrale Kontrolle erlaubt. Rodney Leitner von der HFC Human-Factors-Consult GmbH sieht die zukünftige Zuständigkeit von Fluglotsen deshalb nicht mehr nur regional für einen der kleineren Flugplätze. Sie werden von einem Kontrollzentrum aus arbeiten und überwachen über Monitore mehrere Regionalflughäfen. Die nötigen Daten gelangen z.B. per Videoüberwachung ins Kontrollzentrum. »In der Regel wird ein augmented reality-Ansatz verfolgt, also eine Live-Videobild mit der Überlagerung von zusätzlichen computergenerierten Informationen«. Ein derartiges operatives System, das bisher einen Flughafen aus der Ferne kontrolliert, testet derzeit die schwedische Flugsicherung, weiß Herr Leitner.

Der Ansatz der HFC geht darüber hinaus: Das Unternehmen arbeitet an einem Assistenzsystem mit dem Titel MasterMAN zur Fernüberwachung von Regionalflughäfen im Multi-Airport Betrieb. Im Unterscheid zu dem schwedischen Modell geht es also um die orts- und außensichtunabhängige Überwachung mehrerer regionaler Flughäfen. Es könnten rein theoretisch auch Flughäfen im Ausland sein, die so überwacht werden. Da der Erfolg eines solchen Systems maßgeblich von Akzeptanz bei den Usern und der Gebrauchstauglichkeit abhängt, hat HFC die Anforderungen in einem ersten Schritt zusammen mit den Fluglotsen definiert.

Der Prototyp wurde inzwischen auf dem World Air Traffic Management Congress 2015 (WATMC) in Madrid präsentiert. Wann das Assistenzsystem auf den Markt kommt, hängt aber im Wesentlichen von der Bereitschaft der Industrie ab. HFC erforscht die Interaktion von Mensch und Technik und hat bereits im Jahre 2002 mit der Erforschung von Fahrerassistenzsystemen und Evaluierungen im Automobilbereich begonnen. Heute ist die HFC-Skala zur Müdigkeitsbewertung etabliert und wird von vielen Automobilherstellern herangezogen, um Prototypen zu Müdigkeitswarnsystemen zu bewerten. Auch andere Institutionen nutzen die Kompetenz des privaten Forschungsinstituts. Das Assistenzsystem zur Fernüberwachung mehrerer Regionalflughäfen ist eine Eigenentwicklung der HFC.

Bild: HFC GmbH