Neues vom Zunderschwamm

Foto: Sabine Raithel

Vor gut zehn Jahren veröffentlichte das Forschungsinstitut Biopol e.V. die erste eingehende Analyse des Zunderschwamms und outete ihn als Heil- und Vitalpilz. Dieses Wissen nutzen mittlerweile neben der Berliner Firma seta vital GmbH auch die Zunderschwamm GmbH in Bayern.

Von September bis März ist Erntezeit. Dann sind auch die Unternehmensgründer der Zunderschwamm GmbH Daniel Gareis und Ralf Bartoniek im Frankenwald unterwegs, um Zunderschwämme zu ernten. Die beiden sind biozertifizierte Wildsammler und pflegen eine enge Kooperation mit den Bayrischen Staatsforsten. In einem jeweils zugewiesenen Areal ernten sie nach streng ausgehandelten Richtlinien — kein Raubbau, die Brutzeit der Vögel darf nicht gestört werden und so einiges mehr — pro Jahr rund 30 Kilo ihres Grundstoffes. »Das reicht völlig aus für unsere Produktlinie«, sagt Herr Bartoniek.

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), eine Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten, hat durch seine Verwendung als Brennmaterial seinen Namen erhalten. »Brennt wie Zunder« ist eine der Redewendungen, die sich über die Jahrhunderte gehalten haben. In der Neuzeit wurde er auch als blutstillende Wundauflage, als sog. Wundschwamm, verkauft. Das Wissen um seine wundheilende Wirkung soll bis auf Hippokrates zurückgehen. Das weist bereits in die Richtung, die auch für die Produkte der Unternehmensgründer bedeutend wurde.

Resistente Hohlfaser

Im Jahre 2005 hat das Forschungsinstitut Biopol e.V. mit Sitz im Innovationspark den Pilz erstmals einer eingehenden Analyse unterzogen und die molekulare Struktur als Hohlfaser identifiziert. »Man muss förmlich in den Pilz hineinkriechen, um zu verstehen, wie man ihn anwenden kann,« sagt Wilfried Rühle, Vorstand der Biopol. Er selber ist Ingenieur, erfahrener Analytiker und auf physikalische Chemie spezialisiert. Die Struktur, die er vorfand, erwies sich als wasserunlöslich, laugen-und säureresistent. Ihr Hauptbestandteil ist ein Beta-Glucan-Melanin-Chitin-Naturkomplex bzw. Polysaccharide, die den Pilz zu 70 Prozent ausmachen. Der unikale Komplex besitzt nachweislich ausgesprochen nützliche Eigenschaften: er erwies sich unter anderem als außergewöhnlich immunsystemstärkend und entzündungshemmend.

Das Forschungsinstitut ist eine gemeinnützige Einrichtung, die den Wissenstransfer in den Vordergrund stellt und sich damit auch als Impulsgeber versteht, um innovative Anwendungen auf den Weg zu bringen. »Für uns stellte sich die Frage, wie dieser nachwachsende Rohstoff für die Wirtschaft weiteren Nutzen stiftet«, so Herr Rühle.

Weiter forschen und Neues entwickeln

Daniel Gareis ist Ernährungswissenschaftler und Lebensmitteltechnologe mit viel Erfahrung in der Pharmabranche. Ralf Bartoniek ist Betriebswirt. Beide trafen sich durch Ihre Arbeit für das Institut und griffen die Idee begeistert auf. Vor zwei Jahren gründeten sie die Zunderschwamm GmbH. Die Kombination aus betriebswirtschaftlichem Know-how und technologischem Wissen hat sich als besonders erfolgreich erwiesen. Mittlerweile haben sie den Wirkstoff zugelassen und brachten zusammen mit produzierenden Partnerunternehmen eine erste biozertifizierte Produktpalette medizinischer Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Aus der Sicht von Biopol und der Jungunternehmer ist der Zunderschwamm längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. »Es gibt nur wenige Unternehmen, die sich forschend mit den Heilpilzen auseinandersetzen«, so Herr Bartoniek. Die Gründe liegen meistens in den hohen Kosten für klinische Studien. Die beiden Jungunternehmen wollen ebenfalls mehr über das Potenzial des Zunderschwamms herausfinden und belegen ihre Forschungsergebnisse mit weiteren Studien, die über die Homepage des start-up und des Biopol e.V. publiziert werden. »Eine unserer Visionen«, so Herr Bartoniek, »wäre es, ein Medizinprodukt aus Zunderschwamm zur Behandlung chronischer Wunden einzuführen.«

Dass der Biopol e.V. überhaupt zum Zunderschwamm veröffentlichen konnte, ist auch der Forschungsförderung des Bundes- und des Landes zu verdanken, erklärt Herr Rühle. Für die weitere Entwicklung setzen die Forscher auf interdisziplinäre Zusammenarbeit im Forschungsverbund und unterhalten unter anderem Kooperationen mit dem Institut für Pharmazie der Unis Greifswald und Wien. Die Gründer der Zunderschwamm GmbH arbeiten außerdem mit Heilpraktikern zusammen, die ihre Produkteverwenden und lassen sich von Experten aus der Medizin coachen.

Auf dem Bild: Der Unternehmer und sein Rohstoff: Ralf Bartoniek erntet Zunderschwämme im Frankenwald. 30 Kilo des Vitalpilzes pro Jahr sind die Basis für eine biozertifizierte Produktpalette medizinischer Kosmetika.

(Bild oben: Sabine Raither / Bild im Text: Zunderschwamm GmbH)