ELISAs für die Qualitätskontrolle

Wir gratulieren zum Firmenjubiläum. 1992 war BioGenes ein Start-up, gegründet von zwei Wissenschaftlern. Heute beschäftigt die Firma 49 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

BioGenes war eines der ersten Unternehmen im Innovationspark Wuhlheide. 1992 bestand das Start-up aus Dr. Alexander Knoll und Dr. Sergej Ovodov, beide ehemals Angestellte im Institut des Kombinates GERMED. Als es nach der Wende mit dem Kombinat bergab ging und der Prozess nicht aufzuhalten war, beschlossen die beiden Wissenschaftler ihren eigenen, sehr spezialisierten Weg zu gehen. Sie fokussierten sich früh auf Services und Kits für die Qualitätskontrolle von biologischen Therapeutika. »Damals waren wir in Deutschland so ziemlich die ersten, die Antikörper anboten«, erinnert sich Dr. Knoll.

Schon einige Jahre später zählte BioGenes zu den führenden Serviceanbietern bei immunologischen Dienstleistungen und der Antikörperentwicklung in Europa. Heute beliefert BioGenes Kunden in mehr als 40 Ländern. Viele der weltweit größten Pharmaunternehmen und Firmen aus der Biotechnologie und Diagnostikbranche zählen zum Kundenkreis. Allein im letzten Jahr legte BioGenes 18 Prozent an Umsatz zu, das Auftragsvolumen wuchs um 28 Prozent. Die Exportquote liegt derzeit bei rund 60 Prozent. »Im Nachhinein erwies sich die Marktnische als Erfolgsfaktor «, so Marketingleiterin Dagmar Schwertner-Knoll, seit 23 Jahren bei BioGenes und seinerzeit die Nr. 5 auf der Mitarbeiterliste. »Ein weiterer Erfolgsfaktor war der frühe Zugang zum internationalen Markt.«

Die ersten eigenen Produkte

Pharmaunternehmen arbeiten mit speziellen Zelllinien, um biopharmazeutische Produkte zu entwickeln. CHO-Zellen — sie stammen aus den Ovarien chinesischer Hamster — sind dabei am häufigsten. Baut man in die CHO-Zellen zum Beispiel die genetische Information für Erythropoetin ein — auch bekannt als Epo — dann produzieren diese Zellen dieses Protein. Mit einem sogenannten ELISA kann man dann die Proteine, in unserem Beispiel das Epo, sowie auch prozessbedingte Verunreinigungen nachweisen. Diese Verunreinigungen muss man natürlich entfernen, damit es nicht zu gefährlichen Nebenwirkungen kommt. Speziell zum Nachweis dieser Verunreinigungen hat BioGenes vor vier Jahren ein eigenes Produkt auf dem Markt gebracht. Einen ELISA mit dem etwas sperrigen Namen CHO|360-HCP-ELISA. Es wird bei der Qualitätskontrolle von biopharmazeutischen Therapeutika eingesetzt.

»Der erste ELISA entstand 1999«, erinnert sich Frau Schwertner-Knoll. Seither entwickelte die Firma gut 140 Assays, die allerdings stets kundenspezifisch waren. Der erste generische, also nicht kundenspezifische, ELISA stellt daher für BioGenes ein Novum dar, da dieser zusätzlich zu den kundenspezifischen Entwicklungsarbeiten den biopharmazeutischen Unternehmen als Instrument zur Qualitätskontrolle angeboten wird. Er ist schnell einzusetzen und deckt zusammen mit dem kundenspezifischen ELISAs die komplette Prozessentwicklungsphase beim Kunden ab. Zwei Jahre nach dem ersten Produkt folgte eine weitere Neuentwicklung eines ELISAs und auch in diesem Jahr will man nachlegen. BioGenes plant ein Testkit zur Therapieüberwachung. Es ist ebenfalls antikörperbasiert und wird der Auswertung klinischer Studien dienen. Das Produkt resultiert aus einem Forschungsprojekt zusammen mit der Charité in Berlin.

In eigener Hand

BioGenes arbeitet bis heute in einem Gebäude, das zu den älteren Jahrgängen auf dem Campus gehört. Aber auch die seien nicht zu verachten, meint Firmengründer Dr. Knoll. Mittlerweile sind die Räume nach mehreren Umbauten und Erweiterungen bestens auf die eigenen Verhältnisse zugeschnitten. Für Dr. Knoll jedenfalls war besonders wichtig, dass Bürokratie im Innovationspark nie eine Rolle spielte, dafür Firmeninteressen zählen. »Wir sind mächtig stolz auf 25 Jahre Firmenentwicklung «, sagt Frau Schwertner-Knoll. Und auch eine weitere wichtige Etappe der eigenen Geschichte trägt viel dazu bei: vor zwei Jahren kauften die Gründer von den langjährigen Investoren die letzten Firmenanteile zurück. Damit ist die Firma rechtzeitig zum Jubeljahr wieder ganz in Hand der Gründer.

Text: Reimund Lepiorz
Bild: Christoph Eckelt